Zur gesellschaftlichen Konstruktion von Krankheiten am Beispiel der Linkshändigkeit
Auch heute noch sind Ausdrücke wie “jemanden linken”, ein “linker Typ” mit negativen Eigenschaften assoziiert, während gute mit Ausdrücken wie “rechtschaffen”, “das Recht”, “vom rechten Weg abkommen” usw. einhergehen. Dies hat lange Zeit zu einer Wahrnehmung der Linkshändigkeit als Krankheit geführt; noch zu DDR-Zeiten wurden Kinder zwangsumgeschult und mussten lernen, die Rechte Hand zu benutzen. Die Methoden zur Umschulung und deren teils dramatischen Effekte auf die Psyche und werden kurz erläutert.
An diesem Beispiel möchte ich aufzeigen, wie eine Krankheit aus der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Normalität entstehen kann, und zum einen wie dies dem Individuum schaden kann, und zum anderen wie selbst medizinische Experten vor solch einem Trugschluß nicht sicher sind. Diese Frage ist auch heute noch relevant, da die klassifikatorische Diagnostik oft der Kritik ausgesetzt ist, Krankheiten nicht nur zu erfassen, sondern gleichzeitig auch zu erschaffen. In diesem Rahmen werden die verschiedenen Definitionen von Normalität in der psychologischen und psychiatrischen Literatur erklärt und diskutiert.

