Das Semiotische Viereck als Schnittpunkt zwischen Strukturalismus und Poststrukturalismus

Nachdem der Strukturalismus eine hinreichende Begründung für die Kappung eines realistisch orientierten Weltbildes geliefert hatte, entbrannte ein Streit um eine alternative Methode der Begriffsfassung und -beschreibung. Da das Modell eines objektiv eruierbaren Referenten als zunehmend obsolet erachtet wurde, beschränkten sich strukturalistische Theoretiker zumeist auf eine „reine“ Sprachebene. In der Folge dieses auf Sprachinterna orientierten Differenzdenkens gerieten Effekte und Ereignisse im und für den Sprachgebrauch aus dem Blick. Stark vereinfachend kann gesagt werden, dass sich diese durchaus produktiven Kräfte und Effekte in den späteren Debatten des Poststrukturalismus/der Diskurstheorie (fr. Provenienz) Bahn brachen. Durch die Radikalität dieser Kritik verloren diese Theoretiker mitunter den Anschluss an die „etablierten“ Kreise ihrer Wissenschaft und setzten sich zunehmend dem Vorwurf eines „anything goes“ aus. Auch wenn dieser Vorwurf verfehlt ist, offenbart er doch die Notwendigkeit einer Methodologie, welche beide Aspekte in den Blick nimmt. Hier kann das von A. J. Greimas entwickelte Semiotische Quadrat eine Hilfestellung bieten, indem es das strukturalistische Differenzdenken mit der Produktivität eines Antagonismus kombiniert. Dieser Übergang vom rein differenziellen Modell zur diskursiven Etablierung eines Gegensatzes wird dabei von mir nicht als Implikation sondern als Wechsel des Modus einer Entität vorgestellt. Damit kann die „Tyrannei/Diktatur“ ihren systematischen Gegenpart als „freiheitliche Demokratie“ kenntlich machen. Dass ein solches Modell dennoch mit den objektiven Erwartungen eines realistischen Akteurs kollidieren kann, deutet das gegenwärtige Chaos im Irak paradigmatisch an. Dort schuf die Eliminierung des Diktators mitnichten den avisierten Zustand. Insofern scheint der „reale“ Antagonismus (hier zw. Diktatur und Demokratie) nicht mit der begrifflichen Fassung kompatibel, da die konstituierende Diktatorfigur fehlt und dennoch niemand ernsthaft von demokratischen Verhältnissen spricht. Eine Krise der realistischen Fassung des Konfliktes scheint die Folge: Gegen wen und wofür kämpft die „Koalition der Willigen“ momentan im Irak?“ (Dieses Beispiel dient lediglich der plakativen Veranschaulichung, vielleicht ist es später durch ein anderes zu ersetzen.)




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