Räumliche Ungleichheiten – ein Konfliktfeld? Zur gesellschaftlichen Re/Produktion von räumlichen Ungleichheiten

Räumliche Ungleichheiten werden in der BRD nicht erst seitdem der deutsche Bundespräsident Horst Köhler im Herbst 2004 auf unterschiedliche Lebensbedingungen hinwies diskutiert. Trotzdem findet dieses Thema nur hin und wieder im Mainstream-Diskurs Beachtung. Die Diskussion beschränkt sich dann jedoch häufig darauf, wie mit diesem Problem von staatlicher Seite umzugehen ist und wie räumliche Ungleichheiten abgebaut werden können. Selten jedoch gibt es Bestrebungen zu erklären, warum es räumliche Ungleichheiten überhaupt gibt – in der etwas älteren Raumwirtschaftstheorie zum Beispiel kommen diese gar nicht erst vor. Für neuere Ansätze ist räumlich ungleiche Entwicklung beispielsweise mit unterschiedlichen Transaktionskosten, der unterschiedlichen Einbindung in (soziale) Netzwerke oder einem innovativen ‚regionalen’ Milieu zu erklären. Dabei kommen jedoch kaum gesellschaftlichen Prozesse in den Blick.

Dies soll in diesem Beitrag hingegen geschehen. Im Anschluss an die materialistische Raumtheorie Henri Lefebvres und David Harveys wird dargestellt, wie räumliche Ungleichheiten gesellschaftlich re/produziert werden und welche Rolle der Staat dabei spielt. Das Interesse des Staates an einer Ausgleichspolitik ist nur sehr begrenzt vorhanden , was mit Hilfe der Raumordnungsberichte der BRD nachgewiesen werden kann. Ihm geht es unter anderem um die Stärkung des nationalen Standortes. Deshalb muss die Frage „Räumliche Ungleichheiten – ein Konfliktfeld?“ differenziert beantwortet werden: Erstens ist dieses Konfliktfeld nicht räumlich konstituiert, da gesellschaftliches lediglich räumlich ausgetragen wird. Zweitens sind (räumliche) Ungleichheiten aus staatlicher Sicht kein Konflikt, solange die nationale Wettbewerbsfähigkeit nicht gefährdet ist. Drittens sind Ungleichheiten gesellschaftlich hergestellt, verschärfen aber gleichzeitig die Konkurrenz innerhalb der Gesellschaft und stellen insofern ein ständiges Konfliktfeld dar.




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