Geist der Seidenstraße
Es gibt bereits unzählige wissenschaftliche Beiträge zum Thema der Globalisierung, und zu der Krise der internationalen Politik. Man hört über den „Kampf der Kulturen“ und wir erleben Tag für Tag das Scheitern der Diplomatie auf internationaler Ebene. Statt die aktuellen Ereignisse zu analysieren, würde ich Sie für eine Zeitreise einladen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Menschheit mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert wird. Die erste, aber auf jeden Fall eine der bedeutendsten interkulturellen Ereignisse der Welt, war die Seidenstraße.
Dieses 2000 Jahre alte Phänomen endete während der Zeit der ersten Kreuzzüge. Um diese Zeit erscheint auch das Phänomen das erste Mal in der internationalen Politik, nämlich Ordnung auf rechtlicher Basis in anderen, fremden Kulturkreisen zu schaffen. Dieser Anspruch von westlicher Seite trug bedeutend dazu bei, dass eine neue Ära in den interkulturellen Beziehungen begonnen hat. Durch die Entwicklung der Politikwissenschaften ist unsere moderne Zeit endgültig von diesem Anspruch geprägt. Das Ziel der Philosophie und der Politik ist, jene „goldenen Regeln“ aufweisen zu können, die für die ganze Menschheit, und zwar unabhängig von allen Kulturkreisen, gelten sollen.
Es ist kein Zufall, dass ich meine Einführung zur Seidenstrasse, mit dem Untergang der Seidenstrasse begann. Ich möchte nämlich beweisen, dass es in der Tat das Ende einer Ära war. Der Grundsatz meiner Theorie ist, dass die bedeutendsten Weltreligionen unserer Zeit, welche heutzutage sowohl die Kulturen, als auch die internationalen Politik beeinflussen, sogar aktiv gestalten, in der Blütezeit der Seidenstrasse gar nicht vorhanden waren, oder bloß unbedeutende Aktivitäten im Untergrund waren. Das heißt, dass die interkulturellen Beziehungen damals auf anderer geistiger Basis funktionieren mussten, weil es damals völlig andere Weltanschauungen, Religionen und Kulturen gab, die die Menschen und ihre Denkweise geprägt sollen haben.
Noch ein wichtiger Punkt ist, den ich später in einer größeren wissenschaftlichen Arbeit ausführlicher erörtern möchte, dass man in der Zeitalter der Globalisierung die Welt zu homogenisieren versucht. In der postmodernen Zeit hat man den Anspruch, den Frieden auf rein rechtlicher Basis zu erschaffen. Die Vielfältigkeit der Kulturen spielt dabei überhaupt keine Rolle. Das hat uns dazu geführt, dass die verschiedenen Staaten der Erde sich einem Haus ohne Grund und Boden ähneln. Die Völker verlieren ihre Identität. Die Regierungen erscheinen für die Wählern und Bürger der Staaten wie gesichtslosen und abstrakten Riesen. Auf der internationalen Ebene ist bloß ein Streit der politischen Ideologien und der politischen Systeme zu beobachten. Aber es wird langsam immer klarer, dass die Menschen sich zwar mit politischen Theorien identifizieren können, aber die Kulturen können dadurch nicht ersetzt werden. Der Grund dafür ist, dass die kulturellen Traditionen aller Völker bereits die „goldenen Regeln“ in sich haben. In jeder Kultur ist das Respekt gegenüber anderer Menschen und das Respekt des Lebens etc. vorhanden. Ohne die eigene Kultur geht ein Volk zu Grunde (siehe: Birma, Nord-Korea, und die verschiedenen Beispiele für die Kulturpolitik der modernen Diktaturen, oder auch die postmodernen Gesellschaften der Westen).
Der Jagd der postmodern-wissenschaftlichen Politik und der Philosophie nach ihren eigenen Wahrheiten und nach den „goldenen Regeln“ lässt uns davon Schritt für Schritt gerade entfernen. Außerdem, möchte ich auf den wichtigen Aspekt hinweisen, dass die Völkerwanderungen keine Eigenschaft des Altertums waren, sondern es ist auch heute eine Art Völkerwanderung zu beobachten (Humanitären Katastrophen und Konflikte in Afrika, Migrationspolitik in den westlichen Ländern, etc.) Neue Staaten, Religionen usw. entstehen auch in unserer Zeit. Meine Arbeit möchte auch dazu beitragen, dass wir diese Phänomene besser verstehen, und dass unsere eigene Kultur weiter erhalten bleibt, und sich nicht in seinen eigenen abstrakten Ideen auflöst, bzw. sich nicht vor anderen, lebensfähigeren Kulturen ergibt.

